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Mandala - Urbild des Lebens

Pfauenfedern schillern in magischem Glanz.
Violette Blüten entfalten sich in der Mittagssonne.
Die Schönheit der Welt ist ein Wirbel aus Farben,
doch in der Mitte der Blüte herrscht strahlende Stille.
Deng Ming-Dao

Wer in die Natur oder in die vielen Kulturen der Menschheit schaut, wird immer wieder faszinierende, meist kreisförmige Strukturen entdecken, die in Indien Mandala genannt werden. Es sind wunderschöne Gestalten, die sich von einem Zentrum her entfalten und eine schöpferische, innere Ordnung aufweisen, in der sich das Leben offenbart. Ein Mandala ist die lebendige Ordnung einer Welt. Es ist ein kosmisches Urbild.

 

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Mandala ist einfach "Heiliger Kreis", "Zauberkreis" oder "Kreis mit Bedeutung". Der altindische Sanskritbegriff setzt sich aus den Worten manda und la zusammen. Manda könnte man mit Essenz, Mitte, wahre Bedeutung, Sinn und auch 'der reinste Geschmack süßer Milch' übersetzen. La entspricht hier soviel wie Entfaltung und Vollendung. Ein Mandala ist also eine lebendige Welt, die sich aus einem inneren Sinn heraus entfaltet und erblüht.

Der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung hat sich intensiv mit Mandalas befaßt und entdeckt, daß auch die menschliche Psyche diese Grundform aufweist. Das Mandala ist daher eine Urgestalt, die in jedem Menschen verborgen ist und zuweilen ganz spontan in Träumen oder Visionen auftaucht, zumeist verbunden mit einem großen Glücksgefühl und dem Empfinden eines tiefen inneren Friedens. Die klassischen Mandalas der Weltkulturen weisen, wie unsere Psyche, verschiedene Innenräume auf, die jeweils eine eigen Färbung und Atmosphäre besitzen. Von den äußeren Bereichen unseres Alltagsbewußtseins geht der Weg nach Innen Schritt für Schritt durch verschiedene Räume des persönlichen und kollektiven Unbewußten, bis zu archetypischen Ebenen, um schließlich die ursprünglichen, göttlichen und heiligen Bereiche zu durchstreifen. Der Mittelpunkt ist gewiß der geheimnisvollste Ort. Wie aus dem Nichts heraus beginnt hier eine Wahrheit Gestalt anzunehmen. In vielen Mandalas bleibt daher die Mitte einfach leer und ist nur mit Licht gefüllt. Es ist der Sitz des Göttlichen - der Freiheit, des Friedens, des Glücks und der Liebe. Von hier aus entfaltet sich die ganze Welt in all ihrer Mannigfaltigkeit wie eine Blüte. Man könnte sagen: Mandala heißt: aus dem Herzen leben. Die Mitte des Mandalas ist nichts anders als schöpferische Liebe.

 

Mandala ist daher das Grundprinzip aller natürlicher Kreativität. Der Kosmos selbst, die Galaxien, Sonnensysteme, Sonnen und Planeten, Kristallstrukturen, molekulare und atomare Schwingungsfelder können als Mandalas gesehen werden. Jede biologische Zelle ist ein Mandala, und ganze Organismen haben diese Grundgestalt für sich beibehalten. Wenn unsere Augen offen sind, werden wir überall Mandalas entdecken können wie in einem blühenden Garten. Und wenn wir einem Menschen in die Augen blicken, werden wir leuchtende, geheimnisvolle Mandalas entdecken.

 

Dr. Jochen Niemuth, Zen-Meister, Karlstadt

http://www.mandala-zen.de

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